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02.11.2011 | 12:15 h |
Keine Anmerkungen | ||
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Redaktion: |
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Marathon |
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Crocodile Trophy 2011 – Online-Tagebuch #9 |
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10. Etappe und Siegerfeier: “Ein einzigartiges Rennen geht (schnell) zu Ende” |
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Die letzte Etappe bot eigentlich keine großen Herausforderungen mehr: 81 Kilometer auf einfachem Untergrund mit gemäßigtem Höhenprofil. Entsprechend schnell wurde die Etappe allerdings gefahren. Knapp 3 Stunden sollten wir für den offiziellen Teil der Strecke benötigen. Im Ziel der Aborigine Gemeinde Hope Vale hatten wir dadurch genügend Zeit für ein gemütliches Barbecue und eine kurze Abkühlung im Pool. Ein entspanntes Ende, dachte ich mir.
Mit vollem Bauch starteten wir dann auf die abschließenden, neutralisierten 47 Kilometer nach Cooktown. Obwohl asphaltierte Straßen einen Großteil dieses letzten Streckenabschnitts ausmachten, mussten einige Fahrer im hinteren Feld heftig die Zähne zusammenbeißen. Das lag sicherlich an den zahlreichen Steigungen, aber natürlich auch an der Tatsache, dass nach 10 Tagen bei einigen einfach die Luft raus war. Sitzbeschwerden und andere Verletzungen werden täglich schlimmer. Kopf und Körper wollen nicht mehr. Im vorderen Feld wird dennoch weiterhin Tempo gemacht. Es entstehen erste Lücken und schließlich sehe ich wie sich zwei Fahrer bis zum Schlussfahrzeug zurückfallen lassen. Ich reduziere mit einem anderen Fahrer ebenfalls das Tempo, damit sich eine kleine Schlussgruppe bilden kann. Dieser initiiert schließlich ein geordnetes Fahren im Windschatten des letzten Begleitfahrzeuges. Ich wundere mich, schon zu diesem Zeitpunkt, über dessen fahrerisches Können. Ein solch enges Auffahren auf ein Fahrzeug verlangt Mut und Voraussicht. Ein gelegentliches Berühren der Stoßstange mit dem eigenen Vorderreifen - selbst bei hohem Tempo - darf nicht abschrecken.
Das finale Ziel liegt auf einem traumhaft gelegenen Berg namens Green Hill. Zuvor muss unsere Gruppe noch den letzten Anstieg mit bis zu 18% Steigung bewältigen. Aber auch das bekommen wir und vor allem die beiden angeschlagenen Fahrer noch hin. Ein unglaublicher Ausblick erwartet uns dort: Das Städtchen Cooktown und zahlreiche Hügellandschaften im Hinterland liegen eingerahmt von malerischen Küstenabschnitten unter uns. Ich nehme mir die Zeit den Blick zu genießen. Anton aus Graz ist auch da und bringt mir Essen und Trinken. Ein gelungenes und außergewöhnliches Plätzchen für die heutige Siegerehrung.
Nach der Siegerehrung belohne ich mich mit einer Hotelübernachtung. Noch eine Nacht auf dem Campingplatz muss nicht sein. Unter uns: Das Hotel könnte man gemessen an europäischen Standards durchaus als “Absteige“ bezeichnen. Aber nach den Erlebnissen der letzten Tage kommt es mir wie ein Komfortwunder vor. Die erste heiße Dusche wird zu einem einmaligen Erlebnis. Und es wird nicht bei einer Dusche bleiben. Staub und Dreck sind erst nach dem dritten Durchgang soweit gewichen, dass ich guten Gewissens frische Klamotten anziehen kann. Mein letzter Satz Kleidung übrigens.
Viel Zeit zum Ausruhen bleibt aber nicht. Der Abschlussabend in Form eines Gala Dinners mit offizieller Siegerehrung steht noch an. Das Essen kommt einem wie purer Luxus vor. Unglaublich, wie sich das Komfortempfinden in den letzten 10 Tagen verschoben hat. Nach einer kurzen Rede des Bürgermeisters von Cooktown wird jeder einzelne, platzierte Fahrer auf die Bühne gerufen und erhält dort ein “Finisher Krokodil“. Man sieht den Stolz in den Gesichtern zahlreicher Fahrer. Auch ich werde dem guten Stück zuhause einen Ehrenplatz verpassen, selbst wenn ich nur als eines der Schlusslichter die Rundfahrt beendet habe. Bei den hohen Ausfallraten ist heute jeder Finisher ein Gewinner!
Nur wenige Plätze vor mir landet der Fahrer, mit dem ich die letzten 40 Kilometer hinter einer Autostoßstange verbracht habe. Der Bürgermeister hebt ihn als belgischen, noch aktiven Straßenfahrer hervor, der schon große Rundfahrten wie den Giro d’Italia und die Tour de France absolviert hat. Ich muss schmunzeln: wieder ist es ein vermeintlich starker Fahrer, in diesem Fall ein talentierter Wasserträger aus dem Profiradsport, der die Not der Schwächeren erkennt und handelt. Einer, der weiß, was es bedeutet am Ende des Feldes Wasserflaschen und Regenjacken zu holen. Ein Mann aus dem Mittelfeld eben.
Den Weg von der Abschlussveranstaltung zum Hotel gehe ich zu Fuß. Einige Kilometer durch das nächtliche Cooktown. Ich denke über die letzten 10 Tage, 1200 Kilometer und Erlebnisse am Rande des Rennens nach und versuche ein Resümee zu ziehen: „Geile Zeit!“ kommt mir in den Kopf. Sicher, es gibt technisch anspruchsvollere Kurse, besser organisierte Rennen mit Begleithubschraubern und täglichen Videozusammenfassungen, noch besseren Fahrerfeldern und vielleicht sogar noch extremeren Wetterbedingungen. Aber dieses Event ist einzigartig. Es hat seinen eigenen Charme und schafft damit ein gelungenes Umfeld, um neue Erfahrungen zu sammeln und neue Wege einzuschlagen. Ich durfte vieles lernen, traf interessante Menschen, hatte viel Spaß und lernte vor allem eines: Weniger kann in der Tat manchmal mehr sein. Die gewonnen Eindrücke werden mich sicherlich noch lange begleiten. Jedenfalls werde ich nächste Woche mit frischem Kopf ins Trainingslager nach Mallorca fliegen.
Vielleicht hört ihr demnächst nochmal etwas von mir. Oder wir treffen uns auf einem außergewöhnlichen Rennen…
Macht’s gut.
Euer Dirk |
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(Quelle: ) |
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| Keine Anmerkungen | |||
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