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02.11.2011 | 12:05 h

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Marathon

 

Crocodile Trophy 2011 – Online-Tagebuch #10

9. Etappe: “Die Sandburg“

Das ist immer das Schlimmste: Etappen mit Start um 7 Uhr. Auch Haferflocken mit Nutella zum Frühstück können meine Stimmung um diese Zeit nicht heben. Heute stehen 148 Kilometer mit zahlreichen tiefen Sandsektionen an. Angeblich die härteste Etappe der ganzen Rundfahrt. Dann wollen wir die Festung mal gemächlich einnehmen, denke ich mir. Ich plane einen weiteren ruhigen Tag im Grupetto.

 

Schnell wird klar, dass selbst in dieser letzten großen Gruppe die Leistungsunterschiede extrem sind. Man beschließt die Gruppe unter allen Umständen zusammen zu halten, damit sich die schwächsten Fahrer nicht alleine durch die schweren Sektionen schleppen müssen. Das hätte heute sicherlich zu weiteren Aufgaben geführt. Für die stärkeren Fahrer bedeutet dies jedoch immer wieder langes Warten im Outback. Lediglich zwei Fahrer schließen sich dem Vorgehen nicht an und fahren alleine voraus.

 

Für mich als Beobachter ist vor allem eines interessant: die Entscheidung zum Warten treffen die vermeintlich stärksten Fahrer dieser letzten Gruppe. Fahrer, die man eher im vorderen Mittelfeld vermuten würde. Der “Mittelstand“ sorgt offensichtlich für sozialen Ausgleich. Vielleicht eine weitere, wertvolle Erkenntnis?

 

Der zunehmend tiefe Sand führt zu zahlreichen Stürzen. Ich bitte die Fahrer in der Gruppe größeren Abstand zueinander zu halten. Stürze wird es in solchem Gelände immer geben. Die Folgen sind meistens schwerwiegender, wenn man dem Vordermann zu sehr auf die Pelle rückt. Ungefähr 10 Minuten später stürze ich selbst und der Hintermann kracht in mein Schaltwerk. Das verbogene Schaltauge wird mich mit zwei nutzbaren Gängen auf den nächsten 100 Kilometern zurücklassen.

 

Die Etappe überrascht mich positiv: wunderschöne und abwechslungsreiche Landschaften. Erinnerungen an das Cape Epic 2010 werden wach. Mein bisher einziges, ernsthaftes Mountainbike-Rennen. Die Sandsektionen sind durchaus fahrbar. Meine Fahrtechnik hat sich allerdings auch verbessert. Leider schmerzt das linke Knie weiterhin und auch in meiner Wadenmuskulatur kann ich die vielen Kilometer der letzten Tage deutlich spüren. Daher und wegen der geringen Gangauswahl fällt es mir zunehmend schwer das langsame Tempo der Gruppe zu fahren. Ich bitte um die Erlaubnis die letzten 30 Kilometer ins Ziel alleine und etwas schneller fahren zu dürfen. Die ist schnell erteilt und ich genieße den Spaß für ungefähr eine Stunde über Sand- und Waldboden zu fliegen. Für mich definitiv eine tolle Etappe!

 

Im Ziel angekommen, finde ich ein kleines Chaos vor. Einige Begleitfahrzeuge sind im tiefen Sand stecken geblieben und mit großer Verspätung im Ziel angekommen. Im Camp herrscht reges Treiben, aber viele Bereiche sind noch nicht funktionstüchtig. Duschen und Mechaniker-Servicestation sehen schon ganz gut aus. Zelte, Küche, Bike-Waschplatz und Essensbereich darf man sich bisher nur vorstellen. Auch das gehört zu einem solchen Rennen. Es ist eben nicht alles kalkulier- und planbar. Die Rahmenbedingungen ändern sich schnell. Das Umfeld wird schnell komplex. Nach 9 Tagen liegen zudem bei einigen die Nerven blank. Es kommt zum Streit um Ladechaos in den Begleitfahrzeugen. Man vergisst, dass ohne Essensplätze, auch wenn die Küche schon längst bereit ist, ein gemeinsames Abendessen problematisch werden könnte. Dennoch raffen sich die Teams irgendwann zusammen. Philipp nimmt seine Rolle als verlängerter Arm der Rennleitung wahr und koordiniert die einzelnen Staff-Teams. Einige Fahrer packen mit an. In kürzester Zeit sind Streits beigelegt und alles ist bereit für ein gemeinsames Abendessen.

 

Leider ist uns heute Abend das Bier ausgegangen. Der nächste Pub ist mindestens 100 Kilometer entfernt. Auch die einzige Internetverbindung ist überlastet und ihr werdet diesen Eintrag wohl etwas später bekommen. Ich beschließe den Abend mit einer Alternativbeschäftigung ausklingen zu lassen und schiebe meine Liege aus dem Zelt heraus ins Outback unter den freien Sternenhimmel. Ein wahnsinniger Blick eröffnet sich meinen Augen. Das wird eine kurzweilige Nacht…

 

Bis morgen.

Dirk

(Quelle: )

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